30.05.2006, von OV Bad Honnef

Taucher findet den toten Jungen

20 Monate altes Kind ertrinkt bei tragischem Unglück am Dondorfer See festgeschnallt im Kindersitz - Eltern schätzten die Gefahr an der Furt offenbar falsch ein

Quelle: General Anzeiger

Hennef. Die Erschütterung stand am Montagmittag allen Rettern in die Gesichter geschrieben, nachdem ein Taucher um 12.17 Uhr am Dondorfer See den Leichnam des 20 Monate alten Jungen gefunden hatte. Das Kind war am Sonntagabend mit seinen Eltern in ein Überlaufrohr gesogen worden war.

Am Montag war die Familie gegen 20 Uhr auf dem Radweg entlang der Sieg Richtung Hennef unterwegs, als es zu dem tragischen Unglück kam (der GA berichtete). Der 48-jährige Hennefer, auf dessen Rad der Junge im Kindersitz festgeschnallt war, und die sieben Jahre jüngere Mutter schätzten die Situation offenbar falsch ein.

Führt die Sieg nach heftigen Regenfällen wie in den vergangenen Tagen Hochwasser, strömen die Fluten durch die knapp 1,50 Meter tiefe Rinne, die den Radweg quert, und weiter in ein mannshohes Rohr unter dem Bahndamm hindurch in den See. Nur wer diesen Überlauf kennt, weiß, dass der Radweg nicht auf gleichem Niveau weiterführt, sondern in eine Senke abfällt.

Offenbar glaubten die Eltern, sie könnten den vom Hochwasser überspülten Weg entlang der Bahn auf ihren Rädern halbwegs trockenen Fußes durchfahren. Einmal in den Sog der brusttiefen Furt geraten, kippten die Räder um und die Familie wurde in den bis an den oberen Rand gefüllten Überlauf gezogen. Die Enden des Rohres sind jeweils mit Metallgittern gesichert, die oben eine halbrunde, gut 50 Zentimeter große Öffnung lassen.

Als die Eltern am Dondorfer See aus dem Rohr gespült wurden, waren die Räder und ihr Kind verschwunden. Kurz nach 20 Uhr begann dann eine groß angelegte Suchaktion, bei der rund 200 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, Rotem Kreuz, DLRG und THW unter Leitung von Hennefs Stadtbrandinspektor Heinz Peter Krämer bis weit nach Mitternacht im Einsatz waren. Aus der Luft unterstützten drei Hubschrauber-Besatzungen die Suche der Helfer auf dem Boden, zudem wurden sieben Boote zu Wasser gelassen.

Am Montagmorgen hatten die Einsatzkräfte die Suche erneut aufgenommen und sich auf das Gebiet rund um das nördliche Ufer des Dondorfer Sees konzentriert. Überflutete Waldwege erschwerten die Suchaktion. Die schweren Feuerwehrfahrzeuge blieben im Schlamm stecken. Ein im Shuttledienst eingesetzter Unimog brachte Retter, Sauerstoffflaschen, Bleigewichte und Sicherungsseile zum Einsatzort. Schon nach kurzer Zeit entdeckten Taucher die beiden verbogenen Fahrräder. Der Kindersitz war aus seiner Halterung gerissen. Ein Taucher tastete sich bei einer Sicht von wenigen Zentimetern durch das geflutete Rohr, fand den Jungen aber nicht.

Die Einsatzleitung forderte zusätzliche Kräfte an. Taucher der Polizei durchsuchten die Gewässer des Überlaufs am Dondorfer See. Die Froschmänner des DLRG arbeiteten sich über und unter Wasser zwischen See und Eisenbahn Richtung Sieg vor, und Feuerwehrleute spannten ein Netz an einer Brücke über einen überschwemmten Waldweg. Das sollte verhindern, dass der Körper in die Sieg gezogen wird, weil das Wasser bei fallendem Hochwasser aus dem See zurück in Richtung Sieg strömt.

Gegen 10.30 Uhr stieß ein Taucher auf eine Babytrinkflasche, und um 12.17 Uhr entdeckte dann ein Taucher im Wasser den Leichnam im Kindersitz. Die Siegburger Kripo hat Ermittlungen aufgenommen. Ortskundige wundern sich, dass keine Warntafel auf die Gefahrenstelle hinweist. "Die Staatsanwaltschaft wird hoffentlich Sachverständige mit der genauen Klärung der Unglückursache einschalten", sagte ein geschockter Spaziergänger.

Handeln wird die Stadt. "Wir werden Hinweisschilder anbringen, damit so ein Unglück in Zukunft verhindert wird", sagte Klaus Pipke. Der Bürgermeister war noch am Sonntagabend zum Dondorfer See geeilt und auch Montagmorgen dort anzutreffen.

Quelle: General Anzeiger

Von Holger Arndt und Andreas Stanetschek


  • Quelle: General Anzeiger

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